






Weathering With Me (2026)
2026 – copper, sound, water, pokkali paddy soil
Exhibition: Kochi-Muziris Biennale 2026, Kochi (India)
DE
Weathering With Me entstand während einer Residency in Kochi, Kerala, zur Monsunzeit, wenn Regenfälle einen Großteil des Alltags in der indischen Hafenstadt bestimmen. Für die 6. Edition der Kochi-Muziris Biennale entwickelte Juliane Tübke eine Installation, die Besucherinnen in einen Raum führt, in dem Wasser, Klang und Erde miteinander in Dialog treten.
Fragmente von Gesprächen mit Fischerinnen, Floristinnen, Fahrerinnen und Architektinnen fließen durch ein System aus gebrauchten Kupferrohren und verschmelzen mit Feldaufnahmen aus den umliegenden Backwaters. Die Stimmen spiegeln unterschiedliche Lebensrealitäten wider und bilden kein geschlossenes Narrativ, sondern ein vielstimmiges Geflecht aus Beobachtungen, Erinnerungen und alltäglichen Aushandlungen. Ein verbindender Punkt zieht sich dennoch durch alle Berichte: Die zunehmende Hitze und unberechenbare Monsunregen hinterlassen Spuren in Arbeit, Bewegungsabläufen und Tagesrhythmen. Wer sich den Kupfertrichtern nähert, hört die Geschichten; an anderen Stellen tritt Wasser sichtbar hervor, plätschert oder tropft, lenkt die Aufmerksamkeit der Besucherinnen auf seine physische Präsenz.
Das fließende Wasser kontrastiert mit den trockenen Bodenproben aus Pokkali-Reisfeldern, die in Kupferschalen eingebettet liegt – sichtbar und greifbar, teils polygonal geformt, teils in ihrer natürlichen Struktur belassen. Das goldene Licht reflektiert auf den glatten Oberflächen, während an anderer Stelle Linien und Texturen die Spuren von Zeit und Sonne offenbaren. Die Erde stammt aus den Tiefen der Kochi-Backwaters und verweist auf den traditionellen Pokkali-Reisanbau, die älteste indigene und klimaadaptive Anbaumethode der Region. In den Übergangszonen von Süß- und Salzwasser lehrt sie ein Wissen über Wetter, Wasser und Erde als kooperierende Kräfte. Traditionell errichteten die Bäuerinnen kleine Erdhügel, um Salz auszuwaschen und salztoleranten Reis zu ermöglichen. Auch heute lassen sich die Pokkali-Bäuerinnen als Hüterinnen dieses Wissens verstehen – als Beispiele für Aufmerksamkeit, Anpassung und Zusammenarbeit mit natürlichen Rhythmen.
Gleichzeitig verschiebt sich die Funktion des Bodens: Neben dem Reisanbau übernimmt er zunehmend Aufgaben im Bau von Dämmen und Schleusen, die den steigenden Wasserfluss lenken. In der Installation erscheint die Erde verdichtet und verhärtet – kaum vorstellbar, dass daraus erneut fragile Reispflanzen hervorgehen könnten. Doch das stetige Fließen des Wassers und das Klingen der Kupferrohre halten die Möglichkeit von Erneuerung im Raum lebendig. Zwischen Verfestigung und potenzieller Transformation entsteht eine Spannung, die sich durch den gesamten Raum zieht und die Besucherinnen zum genauen Hinsehen, Hinhören und Entdecken einlädt.
EN
Juliane Tübke’s installation “Weathering With Me” guides visitors into a space where water, sound, and earth converse. It was created for the 6th edition of the Kochi-Muziris Biennale and conceived during a residency in Kochi, Kerala, in the midst of the monsoon season, when rain shapes the rhythms of daily life. A network of used copper pipes channels spoken texts based on interviews with local people into improvised listening funnels. As the viewer moves through the space, fragments of these voices appear in some places, while field recordings from the surrounding backwaters resonate in others.
These spoken texts carry the voices of fishers, florists, drivers, and architects, reflecting their diverse experiences of water and weather. Together, they form a polyphonic web of observations, memories, and everyday concessions rather than a single narrative. One thread, however, runs through all accounts: the intensifying heat and unpredictable monsoon rains that leave their mark on daily routines, movement, and labor. While the viewer listens to these stories, water makes its presence known elsewhere, splashing and dripping from different parts of the installation.
The flowing water stands in contrast with the dry Pokkali soil nestled in copper bowls. Drawn from the depths of the Kochi backwaters, this soil evokes the traditional Pokkali rice cultivation, the region’s oldest indigenous, climate-adaptive farming practice. Found in the brackish zones between freshwater and saltwater, the material embodies knowledge of weather, water, and earth as cooperating forces. People in this region have long used it to build small earthen mounds that filter out salt, allowing salt-tolerant rice to flourish—a practice that persists today, though less widely.
The Pokkali farmers who maintain it serve as guardians of this knowledge and embody attentiveness, adaptation, and collaboration with natural rhythms. At the same time, the role of the soil is shifting: alongside rice cultivation, it now assumes the role of construction material for the dams and sluices that regulate the rising waters. And so, in the installation, the soil appears compressed and hardened making it almost inconceivable that fragile new rice seedlings could emerge from it. Yet the continuous flow of water and the resonant ringing of the copper pipes keep the possibility of renewal alive.
Special Thanks to:
All participants for the interviews
Conducting the interviews in Malayalam: Jith Joseph
Translation of the interviews (Malayalam / English): Gautam Das, Jith Joseph
Copy Editing (English): Rohana Jeyaraj
Sound Editing: Koenraad Ecker
Voice: Rohana Jeyaraj







Weathering With Me (2026)
2026 – copper, sound, water, pokkali paddy soil
Exhibition: Kochi-Muziris Biennale 2026, Kochi (India)
DE
Weathering With Me entstand während einer Residency in Kochi, Kerala, zur Monsunzeit, wenn Regenfälle einen Großteil des Alltags in der indischen Hafenstadt bestimmen. Für die 6. Edition der Kochi-Muziris Biennale entwickelte Juliane Tübke eine Installation, die Besucherinnen in einen Raum führt, in dem Wasser, Klang und Erde miteinander in Dialog treten. Fragmente von Gesprächen mit Fischerinnen, Floristinnen, Fahrerinnen und Architektinnen fließen durch ein System aus gebrauchten Kupferrohren und verschmelzen mit Feldaufnahmen aus den umliegenden Backwaters. Die Stimmen spiegeln unterschiedliche Lebensrealitäten wider und bilden kein geschlossenes Narrativ, sondern ein vielstimmiges Geflecht aus Beobachtungen, Erinnerungen und alltäglichen Aushandlungen. Ein verbindender Punkt zieht sich dennoch durch alle Berichte: Die zunehmende Hitze und unberechenbare Monsunregen hinterlassen Spuren in Arbeit, Bewegungsabläufen und Tagesrhythmen. Wer sich den Kupfertrichtern nähert, hört die Geschichten; an anderen Stellen tritt Wasser sichtbar hervor, plätschert oder tropft, lenkt die Aufmerksamkeit der Besucherinnen auf seine physische Präsenz. Das fließende Wasser kontrastiert mit der trockenen Pokkali-Erde, die in Kupferschalen eingebettet liegt – sichtbar und greifbar, teils polygonal geformt, teils in ihrer natürlichen Struktur belassen. Das goldene Licht reflektiert auf den glatten Oberflächen, während an anderer Stelle Linien und Texturen die Spuren von Zeit und Sonne offenbaren. Die Erde stammt aus den Tiefen der Kochi-Backwaters und verweist auf den traditionellen Pokkali-Reisanbau, die älteste indigene und klimaadaptive Anbaumethode der Region. In den Übergangszonen von Süß- und Salzwasser lehrt sie ein Wissen über Wetter, Wasser und Erde als kooperierende Kräfte. Traditionell errichteten die Bäuerinnen kleine Erdhügel, um Salz auszuwaschen und salztoleranten Reis zu ermöglichen. Auch heute lassen sich die Pokkali-Bäuerinnen als Hüterinnen dieses Wissens verstehen – als Beispiele für Aufmerksamkeit, Anpassung und Zusammenarbeit mit natürlichen Rhythmen. Gleichzeitig verschiebt sich die Funktion des Bodens: Neben dem Reisanbau übernimmt er zunehmend Aufgaben im Bau von Dämmen und Schleusen, die den steigenden Wasserfluss lenken. In der Installation erscheint die Erde verdichtet und verhärtet – kaum vorstellbar, dass daraus erneut fragile Reispflanzen hervorgehen könnten. Doch das stetige Fließen des Wassers und das Klingen der Kupferrohre halten die Möglichkeit von Erneuerung im Raum lebendig. Zwischen Verfestigung und potenzieller Transformation entsteht eine Spannung, die sich durch den gesamten Raum zieht und die Besucherinnen zum genauen Hinsehen, Hinhören und Entdecken einlädt.
EN
Juliane Tübke’s installation “Weathering With Me” guides visitors into a space where water, sound, and earth converse. It was created for the 6th edition of the Kochi-Muziris Biennale and conceived during a residency in Kochi, Kerala, in the midst of the monsoon season, when rain shapes the rhythms of daily life. A network of used copper pipes channels spoken texts based on interviews with local people into improvised listening funnels. As the viewer moves through the space, fragments of these voices appear in some places, while field recordings from the surrounding backwaters resonate in others.
These spoken texts carry the voices of fishers, florists, drivers, and architects, reflecting their diverse experiences of water and weather. Together, they form a polyphonic web of observations, memories, and everyday concessions rather than a single narrative. One thread, however, runs through all accounts: the intensifying heat and unpredictable monsoon rains that leave their mark on daily routines, movement, and labor. While the viewer listens to these stories, water makes its presence known elsewhere, splashing and dripping from different parts of the installation. The flowing water stands in contrast with the dry soil that is nestled in copper bowls. At times the soil is shaped into polygonal forms, at times left in its natural state.
The soil, drawn from the depths of the Kochi backwaters, evokes the traditional Pokkali rice cultivation, the region’s oldest indigenous, climate-adaptive farming practice. Pokkali soil is found in the brackish zones between freshwater and saltwater, and embodies knowledge of weather, water, and earth as cooperating forces. People in this region have long used the soil to build small earthen mounds that filter out salt, allowing salt-tolerant rice to flourish—a practice that persists today, though less widely. The Pokkali farmers who maintain it serve as guardians of this knowledge and embody attentiveness, adaptation, and collaboration with natural rhythms. At the same time, the role of the soil is shifting: alongside rice cultivation, it now assumes the role of construction material for the dams and sluices that regulate the rising waters. And so, in the installation, the soil appears compressed and hardened making it almost inconceivable that fragile new rice seedlings could emerge from it. Yet the continuous flow of water and the resonant ringing of the copper pipes keep the possibility of renewal alive.
Special Thanks to:
All participants for the interviews
Conducting the interviews in Malayalam: Jith Joseph
Translation of the interviews (Malayalam / English): Gautam Das, Jith Joseph
Copy Editing (English): Rohana Jeyaraj
Sound Editing: Koenraad Ecker
Voice: Rohana Jeyaraj